die Regenzeit

08Nov2019

Bevor ich hier angekommen bin, wurde mir viel über starke Stürme und die Regenzeit gepriesen. In meinen Vorstellungen war die Regenzeit eine kalte und regnerische Zeit. Falsch gedacht!

Ja, es regnet hier ab und zu mal und besonders nachts. Und wenn, dann kommt eine Masse von Wasser vom Himmel, dass auch wirklich alles unter Wasser steht und man bis auf die Unterwäsche nass wird. An Regentagen fällt dann auch meistens die Schule aus, da es keine Abwassersysteme gibt und alle Klassenräume unter Wasser stehen. Außerdem gehen die Kinder auch nicht in die Schule, sobald es regnet, da diese dann ja krank werden könnten.

Aber keine zwei Stunden später sieht die Stadt wieder so aus, als wäre nie etwas gewesen!

Stürme gibt es hier auch viele. Ich war schon in unzähligen Gebäuden, Geschäften und Hafen eingesperrt, ohne Strom. Solang man während eines Sturmes jedoch nicht auf einem Schiff ist, ist dieser aber auszuhalten und man ist in meiner Inselregion auch sicher. Ich habe hier gelernt, den Menschen zu vertrauen, was meine Sicherheit angeht. Wenn mir auch nur eine Person sagt, etwas könnte wegen den Wetterverhältnissen gefährlich sein, meide ich es.

Von meiner Perspektive aus freue ich mich eigentlich jedes Mal, wenn es regnet, da es dann mal für 1-2 Stunden nicht über 30 Grad sind und ich meinen Ventilator ausschalten kann. Jedoch bereue ich meine Freude jedes mal, sobald es aufgehört hat, da es dann wieder unglaublich heiß mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit ist und man selbst ohne Kleidung wie in einer Sauna schwitzen würde. Deshalb freue ich mich schon auf die Hot-Season die im Dezember schon beginnt, obwohl ich noch gar nicht sagen kann, wie das so sein wird.

Iloilo - City of Love?

06Nov2019

Was man hier nicht übersehen kann, ist, dass Iloilo die Stadt der Liebe ist. Überall Schilder und die Bevölkerung ist auch sehr stolz darauf. Wie schon erzählt wird die nahe liegende Stadt Bacolod City of Smile genannt.

Das ist jedoch leider nicht die Erfahrung, die ich mit diesem Eintrag mit euch teilen möchte. Das man muss immer lachen und jeden lieben Ding geht hier meiner Meinung nach wirklich zu weit und belastet mich in vielen Situationen stark.

Ein eher unschönes Beispiel, damit ihr euch in mich besser hineinversetzen könnt: Ein Junge aus einer Highschool, an welcher ich arbeite, hat sich letztens an seinem eigenen Geburtstag erhängt. Und der Schulalltag ging weiter, als wäre nie etwas gewesen! Die Selbstmordrate (besonders hier in Iloilo) steigt von Jahr zu Jahr und besonders Jugendliche sind betroffen. Und jedes Mal schockt es mich aufs Neue. Warum nehmen sich hier so viele junge Menschen aus Einsamkeit das Leben, wenn sich hier anscheinend alle lieben und anscheinend immer alle füreinander da sind? Meine Befürchtung ist, dass jeder Einzelne seinen Frust und Trauer in sich hineinfrisst, bis es irgendwann zu viel ist. Man muss halt immer lachen und positiv wirken, selbst wenn nicht alles schön ist.

Das schlimmste für mich: Die Menschen trauern, nach Vorfällen wie diesem, alle innerlich. Mir hat zum Beispiel ein 9-jähriges Kind erzählt, dass ihre Mutter gestern verstorben sei und sie hat dabei gelacht! Eine Freundin hat mir auch erzählt, dass alle versuchen immer positiv zu bleiben und das Beste aus dem Leben zu machen. Und das ginge nur mit einem dauerhaften Lächeln auf den Lippen.

Was ich hier für mein Leben lerne: Es ist nicht falsch zu trauern. Niemand verurteilt dich in Deutschland für Negativität und ich kann mich sehr glücklich schätzen, so viele liebenswerte Menschen in meinem Leben zu haben und ich von allen Seiten mehr als unterstützt werde. Aber selbst wenn man nicht so ein Glück hat, es gibt viele Möglichkeiten Menschen zu finden, die immer ein offenes Ohr für einen haben. Seinen Frust in sich hineinzufressen bringt einen aber nicht weiter.

Aller Heiligen - All Saints Day

02Nov2019

Alle meine Freunde sind über das Wochenende zu ihren Familien gefahren. Die Straßen waren wie leer gefegt und die meisten Geschäfte geschlossen. (Was besonders ist, da sogar an Weihnachten alles geöffnet hat.) Ein sehr wichtiger Feiertag in der philippinischen Kultur. 

Die Familien versammeln sich um die Gräber oder Mausoleen ihrer Angehörigen und veranstalten auf dem Grab ein großes Picknick! Leider habe ich nicht so ganz rausfinden könne, warum, denn meine Freunde machen das nur aus Traditionsgründen.

Was ich jedoch mitbekommen habe, ist, dass zum einen auf vielen Friedhöfen ein großer Jahrmarkt stattgefunden hat und mich zum anderen falsche Priester angesprochen haben, ob sie einen Verstorbenen für mich segnen sollen. Für ganze 5000 Peso, das sind umgerechnet ca 90 Euro!

Ein Freund hat mich auch mit zu seiner Familie eingeladen. Ich habe jedoch dankend abgesagt, da ich mich nicht ganz wohl dabei fühlen würde, auf einem fremden Grab ein Bier mit der Familie des Verstorbenen zu trinken. Natürlich möchte ich die Kultur von allen Seiten kennenlernen, aber da gehen unsere beiden Kulturen wohl einfach zu sehr auseinander!

Halloween

31Okt2019

Alle, die sich halbwegs mit der philippinischen Geschichte auskennen, wissen, dass die Philippinen sehr amerikanisch geprägt sind. Und genau das habe ich an Halloween erlebt.

Etliche Kinder versammeln sich am 31. Oktober für Kostümwettbewerbe in den Malls und spielen Süßes oder Saures an den Kassen der Geschäfte. 

Für uns hieß es aber: Auf zu der größten Halloweenparty in der Stadt! Den ganzen Nachmittag haben wir damit verbracht, uns mit Kunstblut zu beschmieren, um möglichst gruselig auszusehen. Leider nicht mit dem Gedanken, dass hier die Kostüme mit denen an Karneval zu vergleichen sind und garnicht gruselig sein müssen!

Angekommen auf der Party wurde uns das Motto klar. Desto weniger Kleidung, desto besser... Bei mir als Blondine war es jedoch besser, das Motto nicht mitzumachen, da ich sowieso schon, mehr als mir wohl ist, aus der Masse hinaus steche. Das muss ich nicht noch durch Kleidung provozieren. 

Wir haben bis spät in die Nacht gefeiert und wieder superviele neue Gesichter kennengelernt, deren Namen ich mir gar nicht alle merken kann. Anschließend bin ich mit Freunden noch auf eine kleine Nachtwanderung zum Strand. Bis zum Sonnenaufgang haben wir dort bei einem Lagerfeur weitergefeiert, bis es für meine Freunde Richtung Familie und mich Richtung Bett ging.

UN Monat

30Okt2019

Was ich nicht wusste, der Oktober ist der Monat der United Nations. Natürlich gehört auch Deutschland dazu, jedoch habe ich noch nie von einem riesen Fest mitbekommen. Hier wird das jedoch ganz groß geschrieben, denn alles wird gefeiert, was gefeiert werden kann.

Einen Monat lang haben wir in den Klassen die Hymne der United Nations, der Philippinen und der Stadt Iloilo rauf und runter gesungen und haben um die Wette gebastelt. Auch außerhalb unserer Arbeitszeit haben wir viel von dem United Nations Month mitbekommen, wie zum Beispiel ein großer Kostümwettbewerb in der Mall.

In allen drei Schulen fand ein großes Fest statt, was von Mal zu Mal übertroffen wurde. In Hibao-an fand dieses schon Anfang Oktober bei der Morgen Zeremonie statt, wo sich ein paar Kinder verkleidet haben, Flaggen geschwungen haben und ein paar Tänze aufgeführt haben.

Am 29. Oktober fand die Feier in der Abis statt. Den ganzen Vormittag haben wir auf das Fest gewartet und während kein Unterricht stattfand, uns mit ein paar wenigen kindern vergnügt.

Aus jeder Klasse haben sich 2 Kinder als Miss und Mr eines Landes verkleidet. Na ja, sie haben es zu mindestens versucht. Gestartet hat die Feier mit einer großen Parade einmal durch die ganze Schule. Anschließend gab es viele Aufführungen und Tänze und einer der anderen Freiwilligen ein Lied auf Tagalog (der Landessprache) gesungen. Natürlich wurde der Tag mit einem Kostümwettbewerb beendet.

Einen Tag darauf wurde in Lapaz die Kirsche auf die Torte gesetzt. Natürlich mussten alle dort noch mehr übertreiben. Wir haben stundenlang die Turnhalle dekoriert und alles vorbereitet.

Als die Kinder dann eingetroffen sind, war ich einfach nur geschockt. Ich wusste, dass Misswahlen auf den Philippinen ein sehr großes und beliebtes Thema ist. Aber ein Kindergartenkind mit so viel Make-up zu sehen, was ich in meinem ganzen Leben noch nicht getragen habe, tat mir einfach leid. Von Kind zu Kind wurden die High Heels immer höher und die falschen Wimpern immer länger. Wir Freiwilligen wurden während der Zeremonie an einen extra Tisch gesetzt und mit genügend Fastfood versorgt. Die Kinder der verschiedenen Nationen sind wieder alle eingelaufen, haben getanzt und es haben sogar unsere Uygongco Kinder verdient den Preis für das beste Kostüm gewonnen. Und dann kamen die Miss Wahl mit einer Krönung und einem Paartanz. Mir fällt kein anderer Ausdruck dafür ein außer extrem übertrieben.

 

Ich bin wirklich froh, dass dieser Monat jetzt endlich vorbei ist und ich gehe jetzt erst mal mit Kopfschmerzen von den Hymnen in Dauerschleife ein Nickerchen machen.

MassKara Festival– „many faces“

27Okt2019

Es war einmal ein kleines Dorf der philippinischen Provinz Negros, um ungefähr 1980, welches von einer Zuckerkriese betroffen war. Zuckerrohr war damals die primäre landwirtschaftliche Ernte, doch der Preis sank in den Keller, da die gute alte Fructose entdeckt wurde. Die Menschen kämpften also unglücklich ums Überleben und als wäre das noch nicht schlimm genug, gab es in diesem Jahr auch noch ein tragisches Schiffsunglück, bei welchem Hunderte von Menschen ihr Leben verloren hatten.

Deshalb entschied die Provinz, ein Fest des Lächelns zu veranstalten, weshalb die Stadt Bacolod auf Negros immer noch als die „City of Smiles“ bekannt ist. Aus den überflüssigen Zuckerrohren wurden riesen Masken mit lächelnden Gesichtern gebaut und alle Menschen trugen bunte Kleidung, um das Glück zurück in die Stadt zu holen.

Bis heute versammeln sich jedes Jahr im Oktober Menschen aus allen Regionen in der Stadt Bacolod, um das Glück des Lebens zusammen zu feiern und Positivität in der Stadt zu wecken. Und ich war mitten drin.

Endlich mein erstes Festival hier auf den Philippinen! Also um ehrlich zu sein, wurden meine Erwartungen mehr als erfüllt. Die Straßen wurden abgesperrt, überall Essensstände (Filipinos lieben es, zu essen), unglaublich viele Souvenirs und es wurde bis in die Nacht gefeiert. Egal wo man hinging, man sah maskierte Menschen und es gab mehrere große Umzüge, bei denen teilweise sogar Kinder mitgetanzt und gefeiert haben. Das Handynetz wurde über die Zeit aus Sicherheitsgründen ausgeschaltet, was auf der einen Seite den Vorteil hatte, dass niemand am Handy war, auf der anderen Seite durfte man sich einfach nicht verlieren, sonst wäre man als Tourist in der Menge verloren gewesen.

Die anderen Volunteers haben das mit dem Kölner Karneval verglichen, ich als Rheinländerin kann da jedoch gar nicht zustimmen.

Die erste Nacht war ich mit den anderen Volunteers auf den Straßen unterwegs. Überall bunte Lichter, laute Musik und gar nicht allzu viele Menschen.

Meinen Haupt MassKara Festtag habe ich dann jedoch mit einheimischen Freunden verbracht, die ursprünglich aus Bacolod kommen, aber in Iloilo studieren. Wir sind zu einem großen Umzug gegangen, haben mitgefeiert und als es spät in der Nacht anfing zu regnen, war die Positivität in uns noch so groß, dass wir einfach weiter getanzt haben. Klitsch nass ging es dann nach Hause, erledigt von dem Tag, sodass mir zwei Tage komplett ausgereicht haben und wir am nächsten Tag noch kurz vor dem großen Sturm gut in unserem Iloilo angekommen bin. Zurückblickend war es GRANDIOS!

Unterkunft & WG

15Okt2019

Darf ich vorstellen: Die Uygongco Wg

Hinter einem roten Eingangstor (was so niedrig ist, dass ich schon mehrere Erinnerungsbeulen hatte) befindet sich unser wunderschönes, altes Haus, in welchem wir eine kleine Wohnung haben. Der größte Teil des Hauses ist ein verlassenes Restaurant oder leer stehend. Nette, aber alkoholabhängige Nachbarn haben wir jedoch auch. Der erste Blick fällt auf unseren wunderschönen Garten, der täglich von einem Gärtner instand gehalten wird.

Durch unsere Eingangstür durch kommt man direkt in unseren Wohn- und Essbereich, über den man sich nur beschweren kann, wenn wir nicht abgewaschen haben und Ameisenstraßen den Boden bedecken.

Wir haben 3x 2-Bett-Zimmer, also sind wir auch 6 Personen. Und ich bin die kleine Prinzessin (wird so gesagt, ist leider aber nicht so), da ich das einzige Mädchen unter diesem Dach bin. Die ersten Wochen waren wir 5 Freiwillige, da einer erst später kommen konnte, da man einen Weltwärtseinsatz nicht unter 18 Jahren antreten kann.

Als dieser jedoch angekommen ist und ich noch im Krankenhaus lag, hat ein anderer Freiwilliger sich dazu entschieden den Einsatz abzubrechen und nach Deutschland zurückzukehren, da er von Uygongco rausgeschmissen wurde, sich kein neues Projekt suchen wollte und zudem auch noch krank war.

Nach dem ganzen hin und her haben wir jetzt doch noch einen 6. Mitbewohner gefunden, welcher jedoch in einer anderen Organisation arbeitet, aber mit seiner Unterkunft nicht ganz zufrieden war.

Mal sehen, wer hier die nächsten Monate noch so ein- und ausziehen wird 😊

Mit den Badezimmern gibt es eigentlich auch kein Problem, wir haben 3 Duschen und das reicht aus um alle zu jeder Zeit zu versorgen. Naja, nicht zu jeder Zeit, nachts sollte man die Badezimmer aufgrund von Kakerlakenpartys besser vermeiden und ab und zu gibt es auch kein Strom oder Wasser. Aber das klärt sich nach ein paar Stunden wieder. Die längste Zeit ohne Strom war bisher 23 Stunden.

Mein Zimmer teile ich mir mit dem Jüngsten unserer Bande und ich bin sehr zufrieden, da wir nach hinten raus noch eine kleine Terrasse mit einer Hängematte haben und uns so auch gut mal aus dem Weg gehen können.

Wenn es ums Putzen und Ordnung geht, ist dieses WG-Leben eine sehr große Herausforderung für mich und ich habe es langsam aufgegeben mich zu beschweren und mache es meistens einfach mit zwei anderen Freiwilligen alles allein. Ich kann nur sagen, dass alle Cliches einer Jungs-WG hier erfüllt werden und es mir schwerfällt alle meine Nerven zusammen zu halten, besonders weil wir alle vom Charakter sehr unterschiedliche Menschen sind und es oftmals zu schwierigen Diskussionen kommt. Da brauche ich sehr oft auch mal eine Auszeit und bin froh, öfters einen Schlafplatz bei meinen Freunden zu haben. :D 

World Bread Day

11Okt2019

„What is today?“ – „World Bread day“ -  „I cannot heeeeaaar you“ – „WORLD BREAD DAAAAY!!“

Happy internationalen Brot Tag. Wie schon häufiger erzählt, hier wird jeder Bullshit groß gefeiert. Heute Morgen sind wir früh aufgestanden, um pünktlich in Hibao-an bei der „Brot“-ausgabe zu helfen. (Natürlich nicht das leckere deutsche Brot was ich unglaaauuublich vermisse, sondern nur süßes Brot) Die Kinder waren alle schon hungrig und bereit, Brot und Milch gesponsort zu bekommen. Es wurde mal wieder ein viel zu großes Fest veranstaltet, mit Tänzen, Gesang und ganz vielen Reden von anscheinend wichtigen Leuten, die irgendwie aber niemand kannte (erstrecht nicht die Kinder).

Am Nachmittag ging es für uns dann weiter zum Time Square. Eigentlich suchen wir diesen Ort nur auf, wenn wir in unsere Lieblingsdisco gehen wollen. Heute hieß es für uns aber: Cupcakes dekorieren! Unsere Aufgabe war es, den Uygongco-Kindern von einer unserer Grundschulen beim Dekorieren der Cupcakes zu helfen. Natürlich bin ich in der Desaster-Gruppe gelandet, aber wenigstens hatten wir den meisten Spaß! Am Ende auch die schlimmsten Cupcakes, weil meine 3 Rabauken lieber essen als dekorieren wollten und sehr viel Spaß daran hatten, die Spritztüten als Spielzeugwaffen zu verwenden.

Insgesamt ein sehr abwechslungsreicher Tag, wobei ich am Ende des Tages immer noch nicht den Sinn dieses Feiertages verstanden habe.

Ein kleines Video zu diesem erlebnisreichen Feiertag findet ihr hier:              

https://web.facebook.com/PSB2005/videos/712563555914092/?v=712563555914092

 

Trip nach Manila

06Okt2019

Manila ist die Hauptstadt der Philippinen. Eine riesige beeindruckende Stadt, die mich sehr geprägt hat. Mehrere Millionen Menschen, die man gar nicht mehr zählen kann. Überall von den Philippinen flüchten die Menschen hier hin. Bessere Berufschancen und Hoffnung auf ein besseres Leben. Um euch die Überbevölkerung deutlich zu machen, hier ein Vergleich: In Manila leben ca. 60.000 Menschen auf einem Raum von einem Quadrat Kilometer. In Köln 2.500. Ich dachte besonders in Ländern mit Gated Communities ist der Unterschied zwischen Arm und Reich hoch. Aber was sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat, ist unglaublich! Es gibt gar keinen Platz für Gated Communities oder Ähnliches, die Slums befinden sich schon um die Wolkenkratzer herum! Manila ist so überbevölkert, dass du zu Fuß schneller bist als mit dem Auto. Unglaublich. Ich bin sehr froh, in meinem "kleinen" Iloilo zu sein, da ich dort viel mehr von der Kultur erlebe.

Insgesamt hatte ich schöne Tage. Ich habe wieder eine Gruppe von netten Filipinos kennengelernt, welche mir die Stadt gezeigt haben, da meine Interessen nicht mit denen der anderen Volunteers übereingestimmt haben. Die Stadt selbst hat mich jedoch eher enttäuscht. Die Altstadt war auf keiner Weise mit den europäischen zu vergleichen und besonders Chinatown ist ein sehr heruntergekommener Stadtteil, von welchem ich mir mehr erhofft habe. Gesehen haben muss man aber die Mall of Asia, die unter den 15 größten Malls weltweit zählt, in welcher man sich nur verlaufen kann. Und Rooftopbars, von denen man besonders nachts einen wunderschönen Blick auf die Großstadt hat. Ich hatte eine schöne Zeit, die ich jedoch nicht unbedingt wiederholen muss.

Tag der deutschen Einheit

03Okt2019

Ein sehr wichtiger Tag der Geschichte, welcher uns in Deutschland jedes Jahr aufs Neue betrifft. Ich dachte, ich würde hier auf den Philippinen nicht die deutschen nationalen Feiertage feiern, falsch gedacht. Die deutsche Botschaft hat alle Freiwilligen nach Manila eingeladen. Am Anfang stand das Event für uns noch sehr in den Sternen. Wir hatten keine hohen Erwartungen, aber haben uns am Ende doch dazu entschieden die Reise anzutreten und die Tage danach ein bisschen die Hauptstadt zu erkunden.

Es kam alles anders. Mit großen leuchtenden Augen standen wir am Abend vom 3. Oktober vor dem Hotel, in dessen Ballsaal die Party steigen sollte. Die deutsche Botschaft hat auf jeden Fall nicht an Geld gespart. Am Eingang erst einmal eine Sicherheitskontrolle wie im Flughafen. Ich war noch nie in einem so luxuriösen Hotel. Wie eine andere Welt, wenn man in seiner Unterkunft es wertschätzt, dass man ab und zu einen Tag keine Kakerlaken zu Besuch hat und täglich mit Straßenkindern und Armut konfrontiert wird. Und aufpassen mussten wir auch: Plötzlich wurde alles was wir gesagt haben auch verstanden! Man wurde plötzlich nicht mehr von allen angestarrt! Kompletter Schock. Und als ich dann die riesigen Buffets mit deutschem Essen gesehen habe: ein Traum! ENDLICH GESUNDES ESSEN! Es gab alles. Von Weißwurst, Kartoffelpüree und Rotkohl bis Käse, welchen ich hier besonders vermisse. Außerdem gab es deutsches Bier und sehr guten Sekt und Wein. Ein absoluter Traum! Es ist schon etwas Schönes deutscher Staatsbürger zu sein.

Im Laufe des Abends wurde der Altersdurchschnitt auch immer jünger und der Alkoholpegel immer höher, wodurch wir schon am frühen Abend mit vollem Magen unsere Füße wundgetanzt haben. Ebenfalls war es schön, andere Weltwärtsfreiwillige kennengelernt zu haben. Ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass unsere Mariphil-Truppe mit Abstand die offensten und lustigesten waren und ich froh bin, so ein tolle Freiwillige an meiner Seite zu haben!

Im Nachhinein habe ich schon ein schlechtes Gewissen, dass so viel Geld für so einen Abend ausgegeben wird und ich das unterstützt habe. Aber auf der anderen Seite habe ich auch an diesem Abend wieder viel erlebt und auch neue Erfahrungen gesammelt. Die Reise hat sich gelohnt!

Holy Birthday Batman!

01Okt2019

Was ich schon wusste ist, dass Filipinos es lieben, groß und viel zu feiern. Jede Möglichkeit um zu feiern wird genutzt, umso größer, umso besser! Schockierend für mich war aber, was heute passiert ist. Ein scheinbar ganz normaler Tag im Kindergarten der Lapaz Elementary School. Bis plötzlich die Geburtstagsfeier eines der Kinder angekündigt wurde. Man hat ihm schon ab der ersten Sekunde angemerkt, dass er gar keine Lust darauf hatte. Jedoch ging der "Spaß" erst so richtig los, als seine ganze Familie mit Luftballons, Batman-Masken, einem riesigen Kuchen und einem großen Topf Spaghetti eingetrudelt kamen. Alles musste perfekt dekoriert werden und sollte "Spaß" machen. Die Kinder waren jedoch eher auf den Fernseher fokussiert und haben gar nicht verstanden, was abgeht. Mir tat das wirklich leid für den kleinen Jungen...

 

Geburtstag in der High Society

28Sept2019

 

Heute Morgen kam ein Anruf rein. Wir wurden zu einer Dinner-Party bei unserer Chefin eingeladen. Warum, weshalb, wieso wusste keiner. Jedoch haben wir alle unsere Pläne abgesagt und sind pünktlich bei ihrer Mutter (unserer Hausbesitzerin) erschienen. Ich habe noch nie so ein wunderschönes, chinesisch eingerichtetes Haus gesehen. Wirklich wunderschön. Ich habe mich nicht getraut etwas anzufassen. Als ihr Neffe (unser Fahrer) eingetroffen war, ging der ganze Spaß los. Erste Station war das Kloster nebenan, wo wir drei belgische Schwestern abgeholt haben. Nach einer weiteren Grundstücksbesichtigung ging es dann zu der Gated Community, in welcher unsere Chefin wohnt. Ebenfalls ein wunderschönes und großes Haus, eigene Kellner und Köche und nur die High Society war anwesend. Dort stellte sich dann heraus, dass wir den Geburtstag ihres Mannes feiern. Wir haben uns als erstes auf das Buffet gestürzt und uns mit dem ganzen leckerem Essen vollgestopft. Ich habe es echt vermisst, mich nicht von Street- und Fast Food zu ernähren. Anschließend wurden wir alle zum Tanzen aufgefordert. Von griechischen, philippinischen und chinesischen Volkstänzen bis zu Boogie und Discofox haben wir alles ausprobiert und die Party unsicher gemacht! 

 

Eine Woche voller Arbeit

27Sept2019

Letzte Woche war meine erste Woche, die ich komplett, jeden Tag Vollzeit dabei war: keine Arzttermine, keine Feiertage, kein Schulausfall wegen Regen.

Montag war ich das erste Mal in der Grundschule in Hibao-an. Superviele und extrem aktive Kinder. Nach dem Vormittag war ich wirklich ausgepowert.

Dienstag, Mittwoch und Freitag war ich in der Abis Grundschule. Bisher meine Lieblingsschule, da die Kinder gut Englisch sprechen und nicht zu anstrengend, aber auch nicht zu schüchtern sind. Wenn wir dort das Spielzeug auspacken, wird stundenlang getanzt, Seilchen gesprungen und Volleyball gespielt. Mir sind schon viele ans Herz gewachsen und mich macht es jedes mal aufs neue glücklich, den Kleinen, mit ein bisschen Aufmerksamkeit und Bestätigung, Freude zu schenken. Besonders Spaß macht mir der Englischunterricht am Nachmittag, da ich dort die Möglichkeit habe, die Kinder durch richtige Kommunikation kennenzulernen.

Donnerstag stand Lapaz auf meinem Plan. Das ist jedes Mal ein neues Abenteuer. Viele anhängliche Kinder, die dich alle auf einmal überfallen und mit dir spielen wollen. Die Sprachbarriere wird erst zum Problem, wenn eines der Kinder mal weint und man nicht rausfinden kann warum.

Donnerstag war außerdem Impftag. Jeder der Schüler hat zwei bekommen. Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinner, war das bei mir genauso ein Drama. Ich entschuldige mich hiermit offiziell bei meinen Eltern und meinem Kinderarzt, dass ihr das mit mir durchmachen musstet. So viele Kinder festzuhalten, ihnen über das halbe Gelände hinterherzurennen und zu trösten, wenn sie sich schon mit aller Kraft auf den Boden gerissen haben, das hat mir wirklich meine letzte Kraft geraubt. Jedoch war es auch schockierend zu sehen, wie aggressiv und verständnislos die Lehrer dagegen vorgegangen sind.

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Insgesamt wieder eine sehr erlebnisreiche und anstrengende Woche. Wohlfühlen tue ich mich hier auf jeden Fall und ich genieße jede Sekunde mit den Kindern. Ich will mir jetzt schon den Abschied nicht ausmalen, so sehr sind die Kleinen mir ans Herz gewachsen!

Back at it again - Trip nach Guimaras

22Sept2019

Heute war ausnahmsweise mal wieder schönes Wetter, weshalb wir uns entschieden haben auf die kleine Insel Guimaras zu fahren und einen Tagesausflug zum Strand zu machen. Das einzige enttäuschende war das Versagen der guten, deutschen 50er Sonnencreme, weshalb wir jetzt die nächsten Tage alle Sonnenbrände durchstehen müssen.

Jedoch hat sich die Fahrt gelohnt und durch meine noch vorhandenen Beziehungen, sind wir auch günstig und schnell zu einem Traumstrand gekommen.

 

Kurzes Update meiner Gesundheit

09Sept2019

Ich habe jetzt 2 Wochen hier im Medical City Iloilo hinter mir. Das ist ein halber Monat. Man denkt erst, eine kurze Zeit, welche schnell vorbei ging. Aber wenn man schon so gut wie das ganze Krankenhauspersonal mit Namen kennt, fängt man an sich Sorgen zu machen. Kein Fieber mehr, keine Kopfschmerzen. Nur der Bauch macht noch Ärger. Und erst diesen Samstag hatte sich herausgestellt, dass mein Problem meine Ernährung ist. Ich war eine lange Zeit in Deutschland Vegetarier und musste hier von einen auf den anderen Tag Fleisch essen. Teilweise zu jeder Mahlzeit. Was dann passiert ist? Mein Körper konnte die tierischen Fette nicht so schnell verarbeiten. Diagnose: Bauchspeicheldrüsenentzündung. Langes Wort hinter welchem sich viel verbirgt. 

Auf der einen Seite ist eine große Erleichterung in mir. Endlich keine Schmerzen mehr. Endlich richtige Medikamente, die mir helfen. Endlich leckeres vegetarisches Essen. Ab jetzt kann nur alles Berg auf gehen. Auf der anderen Seite müssen Dinge wie eine Entfernung der entstandenen Steine diskutiert werden, ich muss mich auf neue Medikamente umstellen und meinen Kreislauf nach zwei Wochen Bettruhe wieder in Schwung zu bringen, wird ein langer Prozess. Aber genauso wie viele andere Dinge, werde ich das auch mit links hinbekommen. Macht euch da mal keine Sorgen:)

Ausflug ins Krankenhaus

30Aug2019

Um meine Pechsträhne fortzusetzen, bin ich direkt krank geworden. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, eiterndes Auge, hohes Fieber und Hautausschlag. Da es von allein nicht besser wurde, bin ich am Dienstag zum Arzt. Mir war bewusst, dass die Ärzte hier nicht dasselbe Bildungsniveau haben wie in Deutschland. Aber dass es so brenzlig wird, hätte ich niemals erwartet.

Um die best mögliche medizinische Versorgung zu bekommen, bin ich in ein privates Krankenhaus, welches nur 100m von unserer WG entfernt ist. Für ein Entwicklungsland ist dieses wirklich sehr professionell, nur teuer, weshalb sich hier eine Behandlung nur die Oberschicht leisten kann.

Dienstag. Ich hatte 38,5 grad Temperatur als ich mich auf den Weg machte. Wo ich hin musste, wusste ich schon von meiner Augenentzündung letzte Woche. Laut den superkompetenten Schwestern bin ich um 12 cm geschrumpft und habe 7 kg zugenommen. Offiziell bin ich jetzt in meinen Akten übergewichtig. Kann man auf jeden Fall zustimmen. Die Ärztin schien mir am Anfang nett und kompetent, die Ärztin des Vertrauens unserer Hausbesitzerin. Bis ich schließlich zur Apotheke ging und sich herausstelle, dass sie mir ernsthaft ein Sixpack Wasser  und Schmerzmittel verschrieben hatte.

Mittwoch. Die Schmerzen wurden stärker, mein Fieber stieg. Also auf noch mal zum Arzt. Diesmal haben die Schwestern verstanden, dass es mir wirklich dreckig geht. Die Ärztin hat ein paar Tests gemacht und auf meinen Wunsch auch einen Dengue Test. Mit voller Überzeugung stellte sich heraus, dass ich eine Blasenentzündung hätte. Wer von euch meine Vergangenheit kennt, weiß, dass ich sehr genau weiß was eine Blasenentzündung ist und dass ich KEINE habe. Sie hat mir 9 verschiedene Medikamente verschrieben und gesagt „jo ma’am if its not better till monday, call me“ und hat mir ihre private Handynummer gegeben.

Gegen Abend stieß mein Fieber an 40 Grad. Alle wussten, das kann so nicht weiter gehen. Nach Rücksprache mit meiner Organisation, meinem Projekt und meiner Mentorin wurde die Entscheidung getroffen, ich solle mich selbst einweisen, da die Gefahr auf Dengue besteht und mich anscheinend keiner ernst nimmt.

Also hieß es um 23 Uhr: Auf in die Notaufnahme.

Angekommen und wurde ich ausgefragt. Aber nicht über meine Krankheit, sondern was ich hier auf den Philippinen so mache. Irgendwann bekam ich ein Bett und da meine Testergebnisse von Mittags schon vorlagen ist den (natürlich sehr kompetenten) Krankenschwestern eingefallen, mir um Mitternacht Blut für einen Schwangerschaftstest abzunehmen. Bei diesen Symptomen natürlich das sinnvollste. Wer hätte es auch gedacht, dass dieser negativ war.

Um 4 Uhr nachts wurde ich dann für einen Ultraschall geweckt, da endlich mal ein Arzt im emergency room war, wo ich übrigens der einzige Patient war. Unverständlicherweise hämmerte die Ärztin das Gerät in meinen Bauch und fragt dann auch noch dumm „Oh does this hurts?“.

Herausgestellt hatte sich, dass meine Leber besonders groß ist. Das wurde damit erklärt, dass ich doch Deutsche bin und die Deutschen das in ihrer Bier-Gene haben. Das habe ich dann einfach mal unkommentiert gelassen.

Um 6 Uhr wurde ich wieder geweckt und mein Geduldsfaden ist gerissen. Ich wurde gefragt, ob ich nicht arbeiten gehen müsste und abends wieder kommen wolle. Vielleicht wäre bis dahin ja ein Zimmer frei. Die haben echt alles versucht, um mich da loszuwerden. Hier gibt es nämlich grad eine Dengue Epidemie und das Krankenhaus ist bis zum letzten Rand überfüllt.

In den Regeln steht: Wenn ein Patient in den emergency room kommt und nach 3 Stunden die Beschwerden sich nicht verbessert haben oder man nicht weiß woher die Beschwerden kommen, muss der Patient ein Zimmer bekommen. Blöd nur, dass kein Zimmer frei ist, also solle ich doch bitte wieder nach Hause.

Wie einer unserer Freiwilligen immer so schön sagt: Die Filippinos denken nur von der Tapete bis zur Wand.

Irgendwann gegen Vormittag traf endlich meine Mentorin ein. Sie hat da mal gründlich alles auf den Kopf gestellt, dafür gesorgt, dass ich offiziell von einem Arzt eingewiesen werde und so lang auch in der Notaufnahme liegen bleiben darf. Nach 15 Stunden hat sich dann auch herausgestellt, dass ich mit 18 hier noch offiziell ein Kind bin und in der Kinderstation die ganze Zeit ein Einzelzimmer frei war.

Dann ging alles schnell. Von der einen zur nächsten Sekunde war die Injektionsnadel in meiner Hand und ich saß im Rollstuhl zu meinem Zimmer.

Schön groß, ich habe 3 Ärzte, einen coolen Nurse, der mit mir abends Disney Filme schaut, damit ich nicht allein bin (hier ist es üblich, dass ein Familienmitglied sogar mit im Zimmer schläft), eine warme Dusche und einen wunderschönen Ausblick. Wenn ich gesund wäre, wäre das hier glatt das perfekte Hotel.

Ich hoffe, dass ich schnell wieder gesund werde. Ich melde mich sobald ich weiß was mir fehlt und halte euch up to date!

 

Projektwechsel

16Aug2019

Alles ging schneller als gedacht. Gestern habe ich mich mit meiner Mentorin auf einen Milchtee getroffen, und heute hat meine neue Organisation schon den Vertrag unterschrieben und war mit mir direkt mein Visum beantragen! Wofür ich mich entschieden habe? Uygongco! Ich werde das nächste Jahr also mit 5 Jungs in einer WG leben und an 4 verschiedenen Grundschulen arbeiten. Ich bin sehr gespannt. Am Montag beginnt mein erster Arbeitstag, der mich hoffentlich zufriedenstellen wird.

Uygongco Foundation INC

Uygongco ist eine Stiftung, welche mehrere Schulen im Umkreis adoptiert hat. Sie wurde 2008 gegründet. Die gemeinsamen Ziele sind 1. Access to Education, 2. Motivation to stay in school, 3. Improve Quality of Educational Facilities & Teaching. Dies wird durch viele Sponsoren unterstützt.

Die Aufgabe der Volunteers ist es, abwechslungsreiche Angebote für Schüler an öffentlichen Grundschulen zu bieten, um somit die Anzahl der Bildungsangebote für Kinder aus den unteren Bevölkerungsschichten zu erhöhen und den Abstand zu den höheren Schichten zu verringern.

Meine Hauptaufgaben kann ich mir hier selbst aussuchen. Also ist Kreativität angesagt! In den letzten Jahren haben die Volunteers schon viel umgesetzt und durch die Offenheit und gute Organisation ist das auch wirklich sehr gut möglich. Das Gegenteil von Good Shepherds. Ich denke, dass ich hier auf andere Art und Weise gefordert werde und deutlich andere Erfahrungen sammeln werde. Nicht ganz das, was ich mir für mein Jahr vorgestellt habe, aber durch die Arbeit mit Kindern, sehr nah dran. Und da es hier noch nie Probleme die letzten Jahre gab, hoffe ich, dass das auch bei mir so bleiben wird. Aber ich bin von natur aus ja eine sehr anpassungsfähige Person, weshalb ich die nächsten 11 Monate kaum noch erwarten kann :D

 

Rausgeschmissen?

12Aug2019

Heute war bisher der schlimmste Tag von allen. Ich habe kaum geschlafen, weil bis 4 Uhr morgens Leute vor meinem Fenster aus Spaß meinen Namen gerufen haben und mich um die 15 Ratten besucht haben. Es ging so weit, dass ich die Leute so lang angeschrien habe, bis ich meine Ruhe hatte. Ich hatte nichts im Kopf, außer dass ich hier einfach weg will. Irgendwo hin, aber runter von diesem Gelände, raus aus der Stadt, wo mich nicht jeder kennt und die Menschen sich nicht wie Affen im Zoo benehmen, sobald sie mich sehen. Ein Ort, wo ich alles in Ruhe und allein verarbeiten kann.

Da kam meine Mentorin wirklich gelegen. Gegen 13 Uhr bekam ich die Nachricht, ich solle sofort ins nächste Hotel, noch bevor ich rausgeschmissen werde. Es gab einen großen Streit zwischen meinem Projekt Good Shepherds und meiner Organisation Mariphil, da es echt keine Lebensumstände mehr sind. Ich habe tagelang nicht geschlafen, nicht richtig gegessen und keine Möglichkeit gehabt mich zu waschen. Dazu kam noch, dass ich eingesperrt in diesem kleinen Dorf war und ich wegen dem Bootsunglück keine Chance hatte in die nächste Stadt zu fahren, wenn ich es überhaupt gedurft hätte.

Komplett irre. Ich weiß. Ich kann sagen, dass kein Volunteer von uns in so einer kurzen Zeit so viel durchmachen musste. Meine Organisation steht jedoch voll hinter mir und hat alles dafür getan mich schnellstmöglich da raus zu holen. Was wegen dem Bootsunglück jedoch eine große Herausforderung war.

Übernachten werde ich im Mountain Resort hier auf Guimaras. Ruhe, Entspannung und endlich ordentliches Essen beruhigen mich sehr. Das ist genau das, was ich gebraucht habe.

Und der Tag endet im Guten, da ich morgen schon endgültig meine Sachen packen kann und die Insel verlassen kann! Das Projekt Uygongco hat mich nach diesen Nachrichten, ohne zu zögern, aufgenommen. Ob ich das ganze Jahr bleibe oder in ein anderes Projekt wechsel liegt jetzt voll und ganz bei mir. Aber in Iloilo habe ich wenigstens erst einmal vernünftige Lebensumstände und kann mich entspannt auf die Suche machen nach dem Projekt welches mir am meisten gefällt. 😊

Kompromisse suchen

11Aug2019

Ich habe mich mit meiner Mentorin getroffen, um sie auf den neusten Stand zu bringen. Momentan sieht es danach aus, dass ich hier raus muss. Der Pastor hält sich leider nicht an den Vertrag, was den Umgang mit mir angeht. Man kann das hier teilweise echt als Gefängnis bezeichnen, da ich dauerhaft kontrolliert werde. Sobald ich das Licht ausmache, bekomme ich direkt gute Nacht Nachrichten. Was ja ganz nett klingt, aber wenn die anfangen nachts an meiner Tür mit „knock knoooock Veronika, Nikaaaa, Verooo are you there, knock knooock“ hämmern, nur um zu checken, ob alles ok ist und du gut schläfst und sobald ich das Gelände verlasse mich fragen wie, wo, was, warum, wann, mit wem, das ist wirklich zu viel. Dauerhaft steht jemand vor meinem Fenster und beobachtet mich. Teilweise machen die Menschen mir hier mehr Angst als die Ratten und Schlangen. Die Intention ist, dass ich keinen Kontakt zur Außenwelt bekomme, weil das alles Menschen seien, die mich von Gott wegbringen.

Ein momentaner Kompromiss ist, dass ich nicht weiter auf dem Gelände wohnen werde. So werden zum einen meine Lebensumstände verbessert und zum anderen kann ich nicht mehr so stark kontrolliert werden. Mir liegt das sehr am Herzen, da ich nicht hier bin um Zeit und Geld darin zu investieren, dass ich mich das Jahr über selbst wohlfühlen werde. Wenn es eine Möglichkeit für eine andere Unterkunft gibt, darf ich hier weiter arbeiten. Wenn nicht, muss ich mir ein neues Projekt aussuchen. Ich werde euch auf dem Laufenden halten und hoffe, dass sich meine Situation hier schon in den nächsten Tagen ändert, um meiner Gesundheit nicht zu schaden.

Meine erste Woche in Good Shepherds

10Aug2019

Gar nicht so schlimm wie gedacht!

Kirche

Also trotzdem der absolute Horror, aber bisher habe ich ja gut überlebt. Ich mache das Beste draus.

Meine Arbeit hier ist absolut beschissen. Also wirklich, ich weiß gar nicht wo man da anfangen soll. 

Sonntag war Kirche angesagt. Es wird sehr viel gesungen und leider hauptsächlich auf Hiligaynon geredet, deshalb konnte ich nicht alles verstehen. Schon da ist mir aufgefallen, dass ich hier in einer kleinen Sekte gelandet bin und der Pastor vergöttert wird. Alles was er sagt, ist richtig: Alle Leute die kein Reis mögen kommen in die Hölle; Gott ist eifersüchtig, ihr dürft niemanden mehr lieben als ihn, sonst zerstört er alles; alle Menschen sind gleich viel wert, außer die Muslime die sind ganz böse. Das ist alles, was ich verstanden habe und ich will nicht wissen, was er noch gesagt hat. 

Montag saß ich den ganzen Tag im Office und musste die 400 Schulregeln rauf und runter abschreiben. Weil sind ja dieselben Regeln wie für mich.

Dienstag war ich in der Kantine und habe Süßigkeiten verkauft, ohne die Preise zu wissen. Das hat mir sogar noch am meisten Spaß gemacht, weil ich die zum größten Teil alle selbst gegessen (und natürlich bezahlt) hab.

Mittwoch saß ich den ganzen Tag im Office meiner Lieblingsperson Alice (Ironie). Sie ist hier mein Supervisor und hat die komplette Verantwortung für mich, nimmt das aber viel ernster als die Erziehung ihrer eigenen Kinder. Wahrscheinlich aus Angst vorm Pastor. Es gab keine Arbeit, also hat sie mich den gaaaaanzen Tag vollgelabert, während ich ein paar Blumen ausschneiden sollte, um ihr Büro zu schmücken. Eigentlich ist Mittwoch auch der einzige Tag, an welchem mir die Arbeit mit den Kindern erlaubt wird, dachte ich. Ich habe schon von meinen Vorgängern erfahren, dass ich niemals das Waisenhaus betreten werde. Gehört jedoch zu der Projektbeschreibung, aber die machen sich dabei nur selbst was vor. Ich stelle mich schon auf jede Woche neue kreative Ausreden ein. Mittwoch hat es geregnet und deshalb gab es ja zuuu viele Pfützen. Viel zu gefährlich raus zu gehen. Sehen wir mal darüber weg, dass der Weg zu meiner Unterkunft in der Schule sogar viel länger ist. Naja, eine Stunde Nachhilfe darf ich geben. Dem scheinbar frechen Enkel der Direktorin, die das wahrscheinlich hintenrum sehr genießt, für Nachhilfe nichts zahlen zu müssen. Ich werde das ganze nächste Jahr mit ihm das Alphabet lernen müssen, da die Kind in der 3. Klasse nicht ihren Namen schreiben können. Noch schüchter ich den kleinen Burschen ein, da er mich hübsch findet :)

Donnerstag & Freitag ist Schule ausgefallen, weil es geregnet hat. Hier wird jeder Grund gesucht um Schule ausfallen lassen können und dafür, dass hier Regenzeit ist, finde ich den Grund besonders lächerlich. Montag werde ich ebenfalls frei haben, da dann ein Feiertag im Islam ist. Aber habe ich nicht Sonntag noch gelernt, dass alle Muslime böse sind? 

Alles wirklich fragwürdig.

ABER

Ich habe hier schon ein paar Freunde gefunden, mit denen ich außerhalb meiner Arbeitszeit (und natürlich nicht nach 18 Uhr) viel erlebt habe. Deren Einstellung zu Gott ist zwar ein bisschen strange, aber wenn man das Thema so gut wie möglich vermeidet, sind sie echt lustige, kommunikative und liebenswürdige Menschen! Wir haben schon Mangosmoothies gemacht und waren Streetfood essen. 

Ich hoffe, dass ich das Jahr über weiterhin Kontakt halten kann. Warum ich mir Sorgen mache? Bleibt dran :D 

 

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